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Grünkohleintopf | Eine kleine Kulturgeschichte und Rezept nach Omas Art

von | Nov 19, 2018 | 2 Kommentare

Grünkohleinopf | Eine kleine Kulturgeschichte und Rezept nach Omas Art

Ab Ende Oktober halte ich Ausschau nach dem ersten Bodenfrost. Nicht, weil ich meine Winterreifen noch nicht aufgezogen habe oder wegen irgendeiner Spät-Aussaat – es geht mir natürlich um den Grünkohl. Als Münsterländer lebe ich das Klischee: Ich liebe die Vitamin C Bombe.

Der Bodenfrost hilft dabei, dass der Kohl seine Bitterstoffe verliert. Die Meinungen variieren hier, mir ist das eigentlich egal: Grünkohl schmeckt einfach am besten, wenn es draußen kalt und drinnen warm ist!

Meine Mutter hat das Rezept für ihren Eintopf von ihrer Mutter – und bei uns Zuhause eine 50 prozentige Trefferquote bei der Zubereitung der Palme des Nordens: Während ich mindestens zwei Portionen in mich hereinstopfte, nahm sich mein Bruder lediglich eine Kelle, pinselte damit den Teller ein und stellte das Geschirr dann an prominenter Stelle ab. Ohne auch nur einen einzigen Löffel zu essen, kam er aus der Nummer raus. Es fiel nicht auf – ich hatte ja das doppelte gegessen. Ganz entscheidend im Rezept war dabei für mich die geräucherte, westfälische Mettwurst.

Während des Studiums im unterfränkischen Exil hat es zwar auch gefroren, aber Mettwurst war weit und breit nicht zu finden. Nachdem ich einige Metzger abgeklappert habe (Polnische? Brühwurst? Gelbwurst?!), habe ich mein Glück in einem Edeka gefunden. Manchmal ist das münsterländische Glück eben doch näher, als man denkt!

Zutaten für meinen einfachen, aber leckeren Grünkohleintopf

  • 500 Gramm Grünkohl
  • 1 Kilo Kartoffeln (mehlig)
  • 4 Zwiebeln
  • Rinderbrühe
  • etwas Butter
  • 4 bis 6 westfälische Mettenden
  • Salz, Pfeffer, Knoblauch

 

Eine Pracht!

Kleiner Exkurs: Von Kloatscheeten und Kohlkönigen!

Wir sind ja so etwas wie münsterländisch-fränkischer Crossover Blog. Kloatscheeten ist aber so ein regionales Phänomen, dass man es schon im Ruhrgebiet nicht mehr kennt. Und in Franken erst recht nicht. Wie auch, wenn es dort keine ordentliche Mettwurst gibt. Dabei ist Kloatscheeten ein toller Brauch: Ein bisschen wie Kegeln, nur auf der Straße – und die Rinnen sind die Gräben. In zwei Mannschaften wird jeweils ein Kloat, eine rundliche Scheibe, abwechselnd geworfen. Welches Team am Ende die meisten Meter über die Feldwege zurückgelegt hat, gewinnt.

Gewinner sind am Ende aber eigentlich alle: Wie beim Kegeln spielt das gesellige Trinken keine unwichtige Rolle. In einem Bollerwagen wird alles notwendige mitgezogen – also Bier und Schnaps. Aufgrund des Zielwassers ist der Bodenfrost auch beim Kloatscheeten von entscheidender Bedeutung: Der Kloat lässt sich viel schneller auf Eis als im Wasser finden!

Sind alle hinreichend durchgefroren, braucht es eine ordentliche Mahlzeit. Wie wär’s mit einem Grünkohleintopf?

Grünkohleintopf – so geht es:

  • Rinderbrühe in großem Topf zum Kochen bringen. Mehligkochende Kartoffeln schälen und würfeln.
  • Grünkohl gründlich putzen und grob hacken.
  • Mettwurst in Scheiben schneiden und in  die Brühe geben. Nach fünf bis zehn Minuten Grünkohl und Kartoffeln hinzugeben.
  • Lange köcheln lassen und ständig Rühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Kartoffeln etwas anstampfen.
  • In einem kleinen Topf Butter auslassen und kleingeschnittene Zwiebeln anschwenken und mit in den Eintopf geben

Der Vorteil: Wer auf den Extratopf mit Zwiebeln verzichten kann, braucht wirklich nur einen Topf. Das Gericht ist insgesamt wirklich sehr einfach, lecker und gesund.

 

Dazu passt: Ein kühles Pils!

Meditative Elemente: Entspanntes Schnibbeln, behutsames Rühren, vielfaches Abschmecken, vielleicht ein Winterspaziergang (mit oder ohne Bollerwagen…)

Grünkohleintopf vegetarisch – vegane und vegetarische Alternative zum Grünkohleintopf: Gemüsebrühe statt Rinderbrühe. Zwiebeln in Pflanzenmargarine anbraten. Etwas mehr Salz und etwas mehr Knoblauch für die derbe Würze der Mettwurst!

Übrigens: Nach dem Wintergang mit Kloatscheeten musste der Kohlkönig ermittelt werden. Eine besondere Methode gefällt mir dabei am besten: Jeder Teilnehmer wird vor und nach dem Grünkohlessen gewogen. Und wer am meisten zulegt, darf als Grünkohlkönig das nächste Kohlfest ausrichten. Lang lebe der König, lang lebe der Kohl!

 

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Christopher Wilker
Lebens.Haus Team

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