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Fernbusreise: Interkulturell, unvergesslich | Eine Alltagsbeobachtung

von | Aug 5, 2017 | 1 Kommentar

Fernbusreise: Interkulturell, unvergesslich | Eine Alltagsbeobachtung

Der Alltag ist oft spannend, absurd, unterhaltsam und lehrreich – wenn man nur hinsieht! In der Blogreihe „Alltagsbeobachtungen“ genau darum.

„Leben im Jetzt“ ist streng genommen nicht die richtige Kategorie für diese Geschichte. Es ist nämlich ein Erlebnis aus der Zeit, in der die Fernbusse noch in Köln haltmachen durften. Aber es ist eine Geschichte ganz im Sinne dieser losen Sammlung aus kleinen Beobachtungen. Es gibt viele unscheinbare Begebenheiten, tieferer Sinn im Subtext, subtile Nuancen. Momente, die vielleicht nur ein geübtes Auge oder Ohr wahrnimmt. Diese Geschichte handelt nicht davon.

Zeit zum Beobachten: Sieben Stunden quer durchs Land

Die Fahrt beginnt in Düsseldorf. Sieben Stunden etwa bis nach Bayreuth. Der Fernbus ist noch eher Geheimtipp als etablierte Konkurrenz zur Bahn. Freie Platzwahl, Kapuze über den Kopf, Kopfhörer ins Ohr, abschotten. Ich hoffe, dass der Platz neben mir bis nach Franken frei bleibt. Vor mir freut sich eine Jamaikanerin über zwei Sitze, die letzte Reihe hinter mir bleibt leer. Ich bewundere heimlich ihre Dreadlocks.

In Köln wartet eine türkische Großfamilie auf den Bus. Unter der Kapuze linse ich heimlich hervor. Es wird ganz offensichtlich voll. Mein grundsätzlich eher grimmiger Ausdruck sorgt dafür, dass der Platz neben mir frei bleibt. Jedenfalls bis eine junge Mutter der besagten Großfamilie den Sitz neben mir beansprucht – inklusive ihres etwa fünfjährigen Sohnes. Wir sitzen also zu dritt in einem Zweiersitz. „Nächster Halt ist dann Frankfurt-Flughafen“, kündigt unser Chauffeur an.

Bei diesem Verkehr wird einem doch schlecht

Viele Kurven, Spurwechsel, Stop and Go. Die angespannte Verkehrssituation in Köln führt bis heute noch dazu, dass sich Fernbusunternehmen, Kommunen und Politik uneinig sind. Früher wäre mir hier wahrscheinlich schlecht geworden, denke ich bei mir. In diesem Moment findet mein Blick das blasse Gesicht des Jungen neben mir. Die Toilette ist natürlich defekt. Hektisch versucht die Mutter neben mir, die Lidl-Plastiktüte auszuräumen, schafft es gerade noch rechtzeitig, bevor sich ihr Sohn lautstark übergibt. Nächster Halt: Frankfurt-Flughafen.

Lidl lohnt sich?

Ich verdammte mein Schicksal, während die ordentlich gefüllte Tüte nun eine Armlänge neben mir mit nach Frankfurt fährt. Während ich mich demonstrativ abwende, geht es wieder los. Die junge Frau mit den Rastazöpfen dreht sich um. Endlich beschwert sich jemand, denke ich mir, bevor Sie die Hand der Mutter nimmt und mit der anderen dem Jungen beim nächsten Schwall tröstend den Kopf tätschelt. Sie redet ihm gut zu, er versteht die Worte nicht und irgendwie doch. Gerührt nicke ich der Frau vor mir zu zu, während mir Kilometer um Kilometer übler wird. Nächster Halt: Frankfurt-Flughafen.

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Christopher Wilker
Lebens.Haus Team

Leben Heute & Morgen, Kulinarisches, Sportliches. Alltagsbeobachter, Genussmensch, Katervater und Sport-Enthusiast. Meditationsneuling.

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