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Im Jetzt Leben is‘ auch schei… – eine Pendlergeschichte

von | Jul 5, 2017 | 3 Kommentare

Im Jetzt Leben – eine Geschichte frei nach dem Motto: „Woanders is‘ auch scheiße“

Der Alltag ist oft spannend, absurd, unterhaltsam und lehrreich – wenn man nur hinsieht! In der Blogreihe „Alltagsbeobachtungen“ genau darum.

Es gibt Tage, an denen man keine Erleuchtung erwartet. Dazu gehört beispielsweise der Mittwoch vor einem verlängerten Wochenende. Es gibt auch ganz spezielle Orte, an denen keine Erleuchtung zu erwarten ist. Dazu zählt eine Pendler S-Bahn irgendwo zwischen Wuppertal-Vohwinkel und Essen – an überhaupt keinen Tag, möchte ich hinzufügen. Wer hier zwischen den Zeilen liest, dass sich auf dieser Fahrt etwas bemerkenswertes ereignet, liegt richtig – und gleichzeitig auch nicht. Bei Alltagsbeobachtungen bin mir da selbst nicht so sicher – und genau das finde ich so interessant daran.

 

Alltagsbeobachtungen aus der S-Bahn

Für all diejenigen, für die der Begriff „Pendler S-Bahn“ noch keine posttraumatischen Rückfälle bereithät, ist die Szenerie schnell gemalt: Zu viele Fahrräder im Mehrzweck-Abteil, lautstarke Schüler, keine freien Sitzplätze,  eine Verspätung aus vorhergangener Fahrt oder vielleicht sogar „Verzögerungen im Betriebsablauf“. Ich könnte dieses Bild beliebig lang weitgergestalten. Ich ergebe mich also ganz passiv meinem Schicksal – widerwillig, missmutig, müde.

 

Buddhistischer Exkurs in Essen-Kupferdreh

Dazwischen nun also ich, in Gedanken abwechselnd entweder schon auf der Arbeit oder irgendwo am vergangenen Dienstag, mit all den Gemeinheiten die ein Dienstag eben so bereithält. Einen Sitzplatz habe ich wohl im Halbschlaf ergattern können. Die Kopfhörer vom Smartphone fest in den Ohren — es läuft überhaupt keine Musik; es ist nur das visuelle Zeichen dafür, dass ich nicht ansprechbar bin — werde ich ganz unvermittelt mit dem Buddhismus konfrontiert. Irgendwo in den semi-grünen Außenbezirken von Essen erzählt einer dieser Fahrgäste mit Fahrrad aus dem Mehrzweckabteil einer Bekannten eine Anekdote über seine beiden Kinder. Die habe er nämlich ganz offensichtlich zu richtigen Buddhisten erzogen

 

Beobachten, Atmen, Meditieren – auch als Nicht-Buddhist

Zum Buddhismus fallen mir assoziativ die greißen Themenbereiche Beobachten, Atmen, Meditieren ein: Atmen muss jeder. Die ein oder andere Atemübung streue ich auch gelegentlich ein. Meditieren läuft (noch) unter dem Motto, ganz interessant, aberBeobachten – das mache ich gerne. Oder in diesem Fall zuhören. Und der Herr mit dem Rad belohnt mich dafür: „Die zwei leben nich‘ inner Zukunft und nich‘ inner Vergangenheit – sondern im „Jetzt“. Klingt so ein bisschen abgehoben, denke ich schon so halb bei mir, bevor der Satz weitergeht: „und das Jetzt ist Scheiße!“ Das führt dann ganz unabdingbar dazu, dass auch Alles was wird und Alles was war auch Scheiße ist. Schulwechsel, Abschlussprüfungen, Neid unter Gleichaltrigen… und der Vater leidet darunter –  aber zum Glück auf eine schelmische, selbstironische und „ruhrpöttlerische“ Art und Weise.

Für mich bleibt als Lehrstück zurück, mich vielleicht für’s Erste mit dem halb-buddhistischen Leitsatz „Vergangenheit, Zukunft und woanders is‘ auch scheiße!“ – und beobachte zumindest für einige Minuten das Interessante, Lebenswerte, Schöne irgendwo zwischen Wuppertal-Vohwinkel und Essen Hauptbahnhof.

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Christopher Wilker
Lebens.Haus Team

Leben Heute & Morgen, Kulinarisches, Sportliches. Alltagsbeobachter, Genussmensch, Katervater und Sport-Enthusiast. Meditationsneuling.

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