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Schmunzel.Ecke – Zwei Vögel und ein Koan

von | Nov 25, 2018 | 1 Kommentar

Zwei Vögel und ein Koan

Eine Geschichte ohne Töne

Es war wieder so weit, der Mittwoch Morgen erwartete mich. Ich hatte meine Tasche mit den notwendigen Dingen bereits am Vorabend zusammengepackt: Das Handtuch, der Waschbeutel, die Kleidung, die Badeschlappen, alles war schon im Rucksack verstaut und so entstand am Morgen keine Unruhe auf dem Weg zum Schwimmbad.

Ein Ort der Gewohnheit

Der gewohnte Ablauf gibt Sicherheit. Es braucht nicht mehr viele Gedanken:

  • Der Weg zum Kassenautomat,
  • das Drehkreuz am Eingang,
  • der Umkleidebereich,
  • die Duschen,
  • die Schwimmhalle,
  • die beiden älteren Damen, die immer schneller im Wasser sind als ich,

alles ist wie immer, nichts braucht neue Orientierung.

Ich ziehe meine Bahnen und mache mich nach 1000 Metern schwimmen auf zu meiner nächsten Station, der Dampfsauna zur Entspannung.

© www.Lebens.Haus

Ein Ort der Ruhe

So wie mich das kühle Nass beim Schwimmen umfangen hat, umfängt mich jetzt die wohlige Wärme und eine Ruhe, der ich mich öffnen und für ein viertel Stündchen hingeben kann.

So langsam beginnt mein Kopfkino zu arbeiten. Was wartet heute auf mich, an was muss ich denken?
– mit jedem Ausatmen versuche ich mich wieder zu lösen, wieder so bei mir zu sein, das ich einfach da bin im Jetzt, auf dieser Steinbank, in diesem Augenblick zwischen jedem Atemzug, eingehüllt in diesen warmen Dampf, der meine Gedanken genau so wie die Wassertropfen aufnimmt und trägt.

© www.Lebens.Haus

Ein Ort für ein tiefes Ja

Es ist ein tiefes Ja an das Leben, wenn die Stille sich wieder in mich hinein tastet. Kaum merklich beginnt ihre Präsenz. Die Stille wandert und fließt, sie strömt und nimmt mit, was ich los lassen kann. Die Stille verbindet sich mit mir und ich schmecke für einige Augenblicke den Morgen als wenn es der „eine Morgen“ wäre, der einzige Morgen, der zählt.

Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht in solchen Augenblicken einfach ein stilles Danke in mein Ausatmen hinein zu sprechen, weil es meinem Kopf hilft, mich nicht gleich wieder in alles Mögliche zu zerstreuen.

© www.Lebens.Haus

Ein ungewöhnlicher Ort für ein Koan

Die nächste Station des „Mittwochmorgen.Rituals“ führt mich nach dem Abduschen ins Aussenbecken der Anlage. Der Weg geht direkt aus dem Vorbereich der Saunaanlage ins Freie. Die kühle Luft tut gut. Nach einigen Metern erreiche ich das Aussenbecken und steige in das warme Wasser.

Meiner Gewohnheit folgend gleite ich durch das Wasser hin zu einem Platz, an dem ich meine Fersen am Beckenrand in der kleinen Rinne einhacke und mich auf dem Rücken ins Wasser lege. So bin ich fast ganz von dem wärmenden Wasser umgeben. Es ist ein Spiel mit dem Wasser, wenn ich mich beim Einatmen leicht anhebe und mit dem Ausatmen wieder tiefer einsinke ins Wasser.

Mein Platz ist so gewählt, dass sich mein Blick ganz auf den Himmel richtet. Nichts anderes ist in meinem Blickfeld. Ich beobachte das Vorbeiziehen der Wolken und an manchem Mittwochmorgen ist auch der Mond in meinem Blickfeld zu sehen (Den Mond zwischen den Zehen).
Heute geschieht etwas Unerwartetes für mich. Ich sehe zwei Vögel am Himmel, die von der einen Seite meines Blickfeldes auf den Himmel zur anderen Seite über mir vorbei ziehen. Sofort beginne ich darüber nachzudenken:

  • wo hin die wohl fliegen?
  • was machen die so früh schon auf den Beinen (Flügeln)?
  • wie verabreden die sich wohl?
  • sind die beiden etwa ein Paar?
  • und, und, und …

Ein Ort ohne Antworten

Und dann überfällt es mich, es gibt keine Antwort für mich darauf:

  • die Beiden sind einfach da,
  • für einige Augenblicke in meinem Leben
  • für mich nicht greifbar

Sie sind für sich ein Ganzes, sie teilen diese kurze Flugstrecke mit mir und sie teilen mir etwas über mein Leben mit, was mich unmittelbar trifft.

Die Teilhabe am Leben geschieht in den einfachen Dingen, in dem was mich gerade aus macht, was mich berührt, wem ich mich zuwende.

Es durchfährt mich wie ein kleines Licht.

Die Teilhabe am Leben geschieht in der Tiefe vor allem darin, dass ich lieben darf.

Ein Ort zum Lieben lernen

Ich schicke an diesem Morgen, auf dem Rücken im Wasser liegend, diesen Vögeln einen Gruß hinter her, weil sie mich etwas gelehrt haben, das ich nicht verstehen muss, sondern einfach tun kann.
Und dann bin ich für einige Momente verbunden mit Menschen, die ich täglich lieben lernen darf, mein Frau, meine Kinder und ihre Partner, meine Mutter, meine Geschwister und Freunde. Auch Menschen, die schon gegangen sind. Ich grüße mit einem Augenzwinkern meinen Vater, meine Schwiegereltern und noch so manchen lieben Menschen, der nicht mehr da ist.

Ein Ort für einen Koan

Ob das nun ein Koan ist oder nicht, für mich war es ein Erlebnis, das mich beschenkt hat. Und ich denke noch heute gerne an diese beiden Vögel, die meinen Weg gekreuzt haben um mich ein Stück weiter zu bringen ins Leben hinein.

Exkurs: Koan, do was doch Koaner wo's des is

Als ich mit meiner Frau über diesen Artikel geredet habe, da hat sie diesen Spruch von sich gegeben.

Daher hier noch ein paar Gedanken zum Koan für alle fränkischen Koaner:

  • Koans sind für unser Denken nicht lösbare, manchmal paradoxe und unlogisch erscheinende kleine Begebenheiten oder Fragestellungen, die das Leben an uns stellt.
  • Koans wollen nicht mit unserem Verstand gelöst werden. Sie laden uns ein, intuitiv einzutauchen in ein tiefere Einsicht und sie machen uns manchmal für eine tiefe Erkenntnis empfänglich.
  • Die Antwort auf ein Koan ereignet sich in unserem Leben, es ist weniger eine Antwort als viel mehr eine authentische Präsenz, die sich in mir breit macht und sich mir erschließt und auf die Frage bezieht.

Ich wünsche uns allen in der Weihnachtszeit eine Begegnung mit einem Koan. Ja auch diese Erzählung von der Geburt im Stall kann so ein Koan für mich sein.

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Stefan Schuster
Lebens.Haus Team

Tatmensch, Visionär, Lebens-Architekt und Gestalter seiner Träume. Meditation, Spiritualität, Fotografie. Berührt von der Schönheit des Wahrnehmbaren und getroffen von dem, was Alles trägt.

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