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Mein Lebens.Märchen: Grimm und The Shape of Water

von | Mrz 8, 2018 | 0 Kommentare

Mein Lebens.Märchen

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Jeden Monat eine neue Frage – jede Woche eine individuelle Antwort: In dieser Reihe stellen wir Euch unsere liebsten Lebens.Dinge vor.

Mein Lebens.Märchen ist überraschenderweise ein Film – und war des Oscar Gewinnenr für den besten Film 2018: The Shape of Water.

Was fasziniert uns so an Märchen?

Ich war schon immer ein Fan von Märchen. Früher, als Sie mir erzählt wurden. Später, als ich sie selber las. Und erst vor Kurzem, als ich The Shape of Water im Kino gesehen habe – ein Märchen auf der Leinwand!

Meike hat in Ihrem Artikel über Blaubart wunderbar aufgegriffen, welche Rolle Märchen in unseren Leben spielen:

Warum sind Märchen in Kindheit und auch oft noch im Erwachsenenalter etwas Wichtiges und Besonderes für uns?

Liegt es an den geheimnisvollen fremden Welten, die sich in ihnen auftun? An der Botschaft, die sie vermitteln? An den interessanten und oft verzauberten – oder bezaubernden – Charakteren?

Klar ist: Märchen, Sagen und Geschichten begleiten die Menschheit schon seit tausenden Jahren. Und sind ganz eng mit Teilen von uns verbunden.

Bevor ich im weiteren Verlauf meines Blogartikels auf mein persönliches Lebensmärchen eingehn möchte, habe auch ich einige Gedanken zum Märchen an sich zusammengetragen:

Das Ziel von Märchen war seit jeher, alte Volksdichtung zu sammeln und in einer gültigen Sprache bewahren! Das Märchen ist dabei sprachgeschichtlich eine Diminutivbildung zu „Maere“, einer geschehenen Sache oder einer Botschaft, die es verdient, weiter erzählt zu werden!

Die Gebrüder Grimm sichten ab 1806 schriftliche und mündliche Zeugnisse. In persönlichen Gesprächen auf den Dörfern und in alten Manuskripten finden sie die tradierten Geschichten. Besonders interessant dabei ist folgender Grundgedanke:

Das Volk dichtet – und nicht der einzelne Poet!

Das soll andeuten, dass Märchen keine einzelnen Geschichten im eigenen Sinne sind, sondern Ausdruck eines gemeinsamen „Geistes“. Urängste, Wünsche, Hoffnungen und die großen Themen Leben, Liebe und Tod.

Hans-Jörg Uther schreibt in seinem „Handbuch zu den „Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm“ über die grundlegenden Eigenschaften von Märchen:

1) Märchen zeigen Konflikte modellhaft auf;

2) Märchen lösen Konflikte im Sinn einer optimistischen Weltsicht (das »Prinzip Hoffnung‘)

3) Märchen sind allgemein bekannt;

4) Märchen sind kurze Erzählungen ohne Zwischentöne, das heißt die Figuren sind leicht als Vertreter bestimmter Werte und Vorstellungen zu erkennen.

Was ist Dein Lebens.Märchen?

Wenn ich diese vier Punkte für mich als Betrachtungsgrundlage nehme, dann ist auch Guillermo del Toros „Shape of Water“ ein Märchen: Eine einfache Reinigungskraft verliebt sich bei Ihrer Arbeit auf einem geheimen Militärstützpunkt in ein geheimnisvolles, amphibisches Wesen.

Unvermittelt denke ich an „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“ von den Grimm Brüdern. The Shape of Water spielt zu Zeiten des Kalten Krieges. Das gesellschaftliche Bild ist aber vielmehr das unseres modernen Amerikas: Eine Frau ohne Stimme lehnt sich gemeinsam mit Ihrer schwarzen Arbeitskollegin und Ihrem schwulen Nachbarn gegen den übermächtigen, chauvinistischen weißen Mann – ihren Boss – auf.

Del Toro zeigt die Konflikte also modellhaft auf: Gut und Böse, laut und leise, Liebe und Hass. Auch wer an das Prinzip Hoffnung glaubt, wird nicht enttäuscht.

Wenn Ihr den Film noch nicht gesehen habt, könnt Ihr Euch hier den Trailer ansehen:

Was kann ich als Leser davon mitnehmen?

Wer del Toro kennt, erwartet neben wunderschönen Bildern auch Szenen unvorstellbarer Brutalität und Härte. Hier erinnert der preisgekrönte Regisseur eher an die ungeschleiften Märchen, die die Gebrüder Grimm jugendfrei machten. Nur so viel: Bei Charles Perrault ursprünglicheren Version des Rotkäppchens erging es der Titelheldin nicht ganz so gut.

The Shape of Water hat im Deutschen den Untertitel „Das Flüstern des Wassers“. Das klingt poetischer als die „Form des Wassers“. Echte Poesie ist aber das, was del Toro im Gespräch mit Cicero sagt:

Wasser nimmt immer die Form an, in der es sich befindet. So sanft es auch sein kann, ist es zugleich die stärkste und verformbarste Kraft des Universums. Gilt das nicht ebenso für die Liebe? Auch die Liebe kann jede Form annehmen, egal ob für einen Mann, eine Frau oder eine Kreatur. Ich mag Filme, die befreiend sind und sagen: Es ist gut so, der zu sein, der du bist.

Einige Kritiken bemängeln, dass del Toros Schwarz-Weiß Malerei in dem Film zu weit geht. Ich erinnere aber an Uther:

„Märchen sind kurze Erzählungen ohne Zwischentöne, das heißt die Figuren sind leicht als Vertreter bestimmter Werte und Vorstellungen zu erkennen.“ Genau das macht Märchen im Allgemeinen zum idealen Ausmalbild unserer Fantasie – und sorgt dafür, dass sie Jahrhunderte lang aktuell bleiben.

So ist „The Shape of Water“ ein typischer Genre-Vertreter des Märchens, mit einer einfachen und wunderschönen Botschaft für eine komplizierte Welt: Die Liebe ist die stärkste Kraft des Universums!

 

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Christopher Wilker
Lebens.Haus Team

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