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Mein Lebens.Märchen: Fundevogel (Gebrüder Grimm)

von | Apr 6, 2018 | 0 Kommentare

Mein Lebens.Märchen

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Jeden Monat eine neue Frage – jede Woche eine individuelle Antwort: In dieser Reihe stellen wir Euch unsere liebsten Lebens.Dinge vor.

Was ist Dein Lieblingsmärchen?

„Fundevogel“ aus der Sammlung der Gebrüder Grimm.

Auf den ersten Blick ähnelt diese Geschichte mehreren Märchen. Sie erinnert an eine Mischung aus Hänsel und Gretel und Brüderchen und Schwesterchen.

Das Märchen beginnt absurd: Ein kleiner Junge wird von seiner im Wald schlafenden Mutter von einem großen Vogel weggetragen. Ein Förster findet das schreiende Kind auf einem Baum und nimmt es auf. Seine Tochter Lenchen und der kleine Junge, genannt Fundevogel, wachsen gemeinsam beim Jäger auf.

Grausam wird es, als die böse Köchin, die alte Sanne, den Fundevogel in viel Wasser kochen will. Der Förster ist aus dem Haus und Lenchen kommt der Köchin auf die Schliche. Darauf rettet das Mädchen den Fundevogel, da sie eine Verwandlung vorschlägt, um sich so zu verstecken. Dreimal müssen die beiden Kinder sich schließlich in Pflanzen, Dinge oder eine Kirche verwandeln, um der alten Sanne zu entkommen und sie schließlich zu töten.

Was berührt Dich daran besonders?

Einmal die tiefe Beziehung der beiden Kinder. Folgendes Gespräch wiederholt sich im Laufe der Erzählung dreimal:

„Verlässt Du mich nicht, so verlass ich Dich auch nicht.“

– „Nun und nimmermehr.“

Der Junge Fundevogel überlebt die Bedrohung durch die hexenhafte Köchin nur, weil seine Stiefschwester Lenchen sich gemeinsam mit ihm in Sicherheit bringt.

Interessant an dieser Stelle ist die Verwandlungsfähigkeit der Kinder in Rosenstrauch, Kirche und See (und, dass die Hexe die Tarnung der Kinder jedes mal erkennt).

Nach Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewemann, mit dessen tiefenpsychologischer Deutung des Märchens ich mich beschäftigte, symbolisiert die Geschichte vom Fundevogel die allgegenwärtige Bedrohung der menschlichen Existenz durch den Tod. Das Märchen wird damit zur symbolische Gleichniserzählung und die Frage laut: Wie lebt man als Mensch mit dem Wissen, dass man sterben muss. Wie lebt es sich an der Seite des Todes? Drewermann beschreibt den Tod gar als wahrer Herrscher dieser Welt. Ein sehr tiefes Thema!
Die Bedrohung der Kinder durch die Hexe steht für die ständige Bedrohung oder Konfrontation jedes einzelnen Lebewesens mit dem Lebensende. Ein Tag steht für das ganze Leben.

Was kann ich als Leser mitnehmen?

Den Gedanken, das Leben vom Tod aus Denken. Und damit eine positive, aktive Einstellung zu bekommen: Leben bewusst gestalten.

Und ein schönes Zitat von Drewermann zum Thema:

„Es ist auch möglich, dem Tod belehrt durch die Liebe nach Kräften entgegenzuarabeiten und eher den eigenen Tod hinzunehmen als fremdes Sterben zu riskieren.“

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Elke Schuster
Lebens.Haus Team

Auf dem Weg. Aphorismen, Rat & Tat. Lebensraum- und Natur-Gestaltung. Meditation und Glaube. Der einzelne Mensch erfährt sich in der direkten Zuwendung und Wertschätzung als Persönlichkeit.

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