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Mein Lieblingskünstler – oder die Kunst, die ich mag

von | Apr 21, 2018 | 0 Kommentare

Mein Lieblingskünstler – oder die Kunst, die ich mag

Wie ich mich der Kunst nähere

Meine erste Begegnung mit Kunst ist im privaten Umfeld passiert. Mein Vater hatte eine Begabung zu malen. Er porträtierte meine Geschwister, meine Mutter und mich in Kohlezeichnungen. Ich war als Kind ziemlich stolz auf diese erste bewußte Begegnung mit einem Bereich, den ich heute Kunst nennen.

Freilich ist diese, bei meinem Vater auf einer Neigung gegründete Kunst, nie weiter entwickelt worden. Ich erinnere mich noch an ein Gespräch, in dem er mir sagte, dass er mal einen Malkurs in Frankfurt besucht hat, aber es nie weiter vertieft hat.

So habe ich schon früh wahr genommen, dass Kunst etwas mit Entwicklung zu tun hat und nie abgeschlossen ist. Und dass sich Kunst bei jedem Künstler und bei jedem Betrachter verändert.

Ich spreche daher lieber von Lieblingskunstwerken als von Lieblingskünstlern.

Diese Lieblingskunstwerke gibt es bei mir in ganz verschiedenen Bereichen.

Mein Lieblingskunstwerk in der Architektur

Auf mich haben Bauwerke schon immer eine besondere Faszination ausgeübt. So gibt es mit Blick auf meine „Bau-Neigung“ schon die eine oder andere Anekdote zu berichten. Da ich nicht nur gerne Gebäude besichtige sondern auch selber gerne baue, wurde im Familien und Freundeskreis ein Lied von Wolfgang Buck zu einer häufig gebrauchten Aussage, wenn ich irgendwie auf das Bauen zu sprechen kam:

Da nimmst a weng an Beton, des is a saubere Lösung   (Liedvers von Wolfgang Buck)

Mein Lieblingsbauwerk steht in Nerviges, einem Ortsteil von Velbert und zahlt natürlich auch wieder etwas auf diese Vorliebe ein. Es ist der Wallfahrtsdom auf dem Hardenberg und natürlich ist er aus Beton.

Der Architekt Gottfried Böhm entwarf den Dom im Architekturstil der Moderne, der den Anspruch hatte, ehrlich mit den eingesetzten Werkstoffen umzugehen.

Der „New Brutalism“ ist seit 1950 auch in der europäischen Architektur häufiger anzutreffen und wurde in diesem Gebäude, das am 22. Mai 1968 eingeweiht wurde, gut erkennbar umgesetzt.

Von Aussen ist dieser Dom für mich gar kein Schmuckkästchen, von innen berührt es mich. Es ist dem Architekten gelungen, die Betonkonstruktion so zu gestalten, dass es wie ein Zelt wirkt, getragen vom Zusammenspiel aus Wand- und Deckenelementen, die zu einer Gemeinschaft mit Glas verschmelzen. Für mich ist dieser Dom, in seiner Aussage als Ganzes, ein Kunstwerk geworden.

Mein Lieblingskunstwerk in der Malerei

Im Verlauf der letzten Jahre hatte ich Gelegenheit in den unterschiedlichsten Ausstellungen und Galerien Kunstwerke aus unterschiedlichen Epochen zu bewundern.

Meist war es meine Frau, die mich „mitgeschleift“ hat und ich muss zugeben, dass ich bei vielen der Kunstwerke zwischen Bewunderung und Wundern darüber, dass das als Kunst gilt, hin und her geschwankt bin.

Mit der Zeit habe ich mir eine Vorgehensweise angeeignet, wie ich für mich wahrnehme, zu welcher Art von Kunst ich einen Zugang haben möchte.

Kunst in Form von Gemälden trete ich seit dem immer gegenüber und schaue, was sie mit mir macht:

  • stellt sie mich und mein Verständnis in Frage?
  • bestätigt sie mein Kunstempfinden?
  • habe ich einen Zugang zu ihr?
  • bleibt sie mir fremd?

Auf diesem Betrachtungsweg gibt es jede Menge gemalte Kunst, die mich beeindruckt und der für mich ein hohes Maß an Ausdruckskraft inne wohnt.

Mein Favorit dabei ist ein kleines Bild geworden, auf das ich bei einem Besuch im Städel in Frankfurt aufmerksam wurde. Meine Frau war von diesem Bild von Hugo Simberg, einem finnischen Maler aus der Zeit des Symbolismus, sehr beeindruckt und wollte meine Meinung zu dem Bild wissen. Ich hatte das kleine Bild gar nicht bemerkt und weiß seit her, dass Kunst auch bei 17 x 16 cm Abmessung beginnen kann.

Das Aquarell trägt den Titel: „Im Garten des Todes“ und ist normalerweise in der finnischen Nationalgalerie Ateneum in Hewlsinki zu sehen. Im Rahmen einer Ausstellung mit dem Thema „Gärten“ wurde es in Frankfurt im Städel gezeigt.

Wer das Bild sieht, wird den Zusammenhang zum Thema schnell herstellen und vielleicht auch ein tieferes Gefallen für die dem Bild innewohnende Kraft wahrnehmen. Diese Art von spielerischem Umgang mit dem Thema Leben und Tod in der Kunst, rührt in mir ein inneres „Ja“ an und verdichtet auf 0,03 m2 eine Kraft und Heiterkeit, die immer wieder mein Interesse weckt und mich Neues entdecken lässt, je öfter ich mich von dem Gemälde anschauen lasse.

Mein Lieblingskunstwerk in der Bildhauerei

Ein ähnliches Erleben hatte ich bei einem Ausstellungsbesuch zu Werken von Ernst Barlach. Meine Entdeckung war eine Bronzeskulptur die mit die „Tanzende Alte“ bezeichnet war und im Jahr 1920 entstanden ist. Bis heute ist diese Skulptur mein Favorit in der Kategorie Bildhauerei.

Ernst Barlach ist es bei der „Tanzenden Alten“ auf intensive Weise gelungen Lebensäußerungen zum Ausdruck zu bringen, die die Bewegtheit dieser Person in Körper, Seele und Geist in einem Moment einfangen und diese im gleichen Augenblick an den Betrachter weitergeben und wieder entlassen.

Ähnlich wie bei dem Gemälde, hat mich auch hier die Zeitlosigkeit und die Kraft, die im Moment der Darstellung liegt, angesprochen und begeistert. „Ja, so will ich mal sein“, ist es mir spontan durch den Kopf geschossen, als ich vor der Bronzeabbildung stand.

Dieses Empfinden ist bis heute geblieben und ich freue mich jedes Mal, wenn ich vor dem Bild der Skulptur stehe.

Mein Lieblingskünstler ist also Viele

Auch wenn es mehrere Künstler sind, so sind sie doch nicht beliebig. Ihre Kraft Dinge darzustellen hat mich auf eine Weise erreicht, die eher unspektakulär, aber in der Regel nachhaltig für mich ist.

Ich habe mir vorgenommen vor jedes Bild, jede Skulptur und in jedes Gebäude mit der Offenheit zu treten, mich zu verändern. Das geschieht auch vielfältig und die Kunst ist eine Bereicherung für mich geworden.

Ich lebe inzwischen die Freiheit ein Bild nicht darum wert zu schätzen, weil ein berühmter Name darunter steht. Ich nehme In Kauf, viel Kunst nicht zu verstehen und muss an dieser Stelle die Bewunderung berufenen Kennern überlassen.

Was für mich dabei an Kunst bleibt, ist so reichhaltig und vielfältig, dass ich mich auch weiterhin in Ausstellungen von meiner Frau mitnehmen lasse.

Ein Lieblingskünstler dämmert da aber doch an meinem Horizont herauf. Ich darf das aber nicht offiziell in die Wertung nehmen, da es meine eigene Tochter ist.

Aber unter den Kriterien, die ich auch bei den anderen Kunstwerken ansetze, sehe ich hier ein Talent heranreifen, über dass ich mich ganz besonders freue.

Zum einen, weil etwas, was wohl in uns Schusters schlummert, hier eine Chance sucht sich zu entwickeln.

Zum anderen, weil Kunst eine Sprache ist, die keinen Tod (Im Garten des Todes) und kein Alter (Tanzende Alte) kennt.

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Stefan Schuster
Lebens.Haus Team

Tatmensch, Visionär, Lebens-Architekt und Gestalter seiner Träume. Meditation, Spiritualität, Fotografie. Berührt von der Schönheit des Wahrnehmbaren und getroffen von dem, was Alles trägt.

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