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Mein Lebens.Gedicht: Stopping by Woods on a Snowy Evening (Robert Frost)

von | Okt 27, 2017 | 0 Kommentare

Mein Lebens.Gedicht

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Jeden Monat eine neue Frage – jede Woche eine individuelle Antwort: In dieser Reihe stellen wir Euch unsere liebsten Lebens.Dinge vor.

Was ist Dein Lebens.Gedicht

Mein Lebens.Gedicht ist Stopping by Woods on a Snowy Evening von Robert Frost.

Mich faszinieren vor allem die Gegensätze: Die einfache Form und die komplexe Aussage. Der weiße Schnee und die dunkle Nacht. Die romantische Szenerie und die düsteren Implikationen. Die Frage für mich lautet: Warum bleibt der der Mann in der düstersten Nacht des Jahres stehen? Aufgrund der winterlich-pittoresken Umgebung – oder wegen der düsteren Last in seinem Innern?

Im Folgenden kannst Du das Gedicht in der Originalversion und in der Übersetzung lesen:

Stopping by Woods on a Snowy Evening

Whose woods these are I think I know.
His house is in the village though;
He will not see me stopping here
To watch his woods fill up with snow.

My little horse must think it queer
To stop without a farmhouse near
Between the woods and frozen lake
The darkest evening of the year.

He gives his harness bells a shake
To ask if there is some mistake.
The only other sound’s the sweep
Of easy wind and downy flake.

The woods are lovely, dark and deep,
But I have promises to keep,
And miles to go before I sleep,
And miles to go before I sleep.

Robert Frost, “Stopping by Woods on a Snowy Evening” from The Poetry of Robert Frost, edited by Edward Connery Lathem. Copyright 1923, © 1969 by Henry Holt and Company, Inc., renewed 1951, by Robert Frost. Reprinted with the permission of Henry Holt and Company, LLC.
Source: Collected Poems, Prose, & Plays (Library of America, 1995)
Via Poetry Foundation

Innehaltend inmitten der Wälder an einem Schnee-Abend

Wes diese Wälder sind, das weiß ich recht genau.
Allein im Dorf erst, drüben, steht sein Haus.
Der Schnee füllt ihm den Wald – steh ich und schau,
dann sieht er mich nicht, macht er mich nicht aus.

Mein kleiner Gaul, der findets wohl verquer:
kein Haus, kein Hof – und dahier hält sein Herr;
ein Teich, gefroren, und nur Wälder um uns her;
der Abend heut – im ganzen Jahr kein finsterer.

Das Zaumzeug schüttelt er – die Schelle spricht:
Ist das ein Mißverständnis – oder nicht?
Ich lausch und horch – ich hör sonst nichts;
doch, dies noch: leichten Wind, die Flocken, erdwärts, dicht.

Anheimelnd, dunkel, tief die Wälder, die ich traf.
Doch noch nicht eingelöst, was ich versprach.
Und Meilen, Meilen noch vorm Schlaf.
Und Meilen Wegs noch bis zum Schlaf.

Paul Celan: „Übertragungen. Gesammelte Werke 4 und 5“. Hrsg. von Beda Allemann und Stefan Reichert unter Mitwirkung von Rolf Bücher. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003. 1552 S., br., 23,99 €.

Quelle: F.A.Z.

Von Robert Frost höchstpersönlich vorgetragen klingt das Ganze dann so:

Welche Strophe berührt Dich besonders?

The woods are lovely, dark and deep,
But I have promises to keep,
And miles to go before I sleep,
And miles to go before I sleep.

Seit dem ich das Gedicht zum ersten Mal gehört habe, hat es etwas Melancholisches für mich. Man spürt die Bürde des lyrischen Ichs. Für mich ist hier der Schlaf der kleine Bruder des Todes.

Frost selbst hat eine ähnliche Situation erlebt: Zur Weihnachtszeit, auf dem Heimweg zu seinen Kindern, befand sich der Autor in einer vergleichbaren Lage. Einsam als Reiter im Wald unterwegs, umgeben von der winterlichen Schönheit, kehrte er ohne Geschenke zu seinen Kindern zurück. Alleine. Überwältigt von Traurigkeit.  Das klirrende Zaumzeug seines Pferdes erinnerte ihn an all die Versprechen, die es zu halten gibt – und die vielen Wegesmeilen, die noch Schönes versprechen. Der Schlaf kommt noch von ganz allein.

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Christopher Wilker
Lebens.Haus Team

Leben Heute & Morgen, Kulinarisches, Sportliches. Alltagsbeobachter, Genussmensch, Katervater und Sport-Enthusiast. Meditationsneuling.

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