Mitfahrgelegenheit – Gelegenheit zum Mitgenommen werden

von | Okt 25, 2019 | 0 Kommentare

Mitfahrgelegenheit – Gelegenheit zum Mitgenommen werden

Ein paar Klicks in der App und kurze Zeit später klackt die Autotür und man sitzt bei einem komplett fremden Menschen im Auto.

Mitfahrgelegenheiten – Die Gelegenheit zum Mitgenommen werden. Ganz nüchtern gesehen, auch nur eine Form der Dienstleistung, die einem die Fahrt nach Berlin, Wuppertal, Kassel und Co. ermöglicht, ohne eigenes Auto und die Strapazen der DB.

Seit einem guten Jahr, mit dem Beginn meines Studiums, bin ich zum extensiven BlaBlaCar Nutzer geworden (keine bezahlte Werbung an dieser Stelle). Ich habe, überschlagen, etwa 50 Fahrten hinter mir. Und ich lebe noch, ganz zur Verwunderung meiner Mutter. Irgendwann muss der altbekannte Merksatz „Man steigt nicht einfach zu Fremden ins Auto“ doch mal reale Folgen aufzeigen..? Sonst macht der ganze Erziehungsversuch ja keinen Sinn.

An viele der Begegnungen kann ich mich kaum mehr erinnern, einige waren aber auch sehr prägend und ein paar einfach einprägsam absurd.

Ich lerne generell sehr gerne neue Menschen kennen und es fasziniert mich immer wieder, wen einen das Schicksal da so vorsetzt. Jedes Mal wieder, für die Zeit der Fahrt, einen Einblick in eine komplett fremde Routine, einen Alltagsausschnitt miterleben, eine Begegnung mit wildfremden Menschen, scheinbar wahllos zusammengewürfelt, teilweise schon im absurden Kontrast. Eine große Gelegenheit um Vorurteile abzubauen! Und wie häufig dachte ich mir schon im Nachhinein, genau zur Richtigen Zeit am richtigen Ort gesessen zu haben, um genau dieses Gespräch zu führen oder diese Erfahrung zu machen.

Bei 50 Fahrten ist natürlich nicht jede Einzelne hängen geblieben, aber ein paar Erlebnisse haben es definitiv in mein Standartrepertoire an amüsanten oder lehrreichen Stories für einen heiteren Abend oder die nächste Mitfahrgelegenheit geschafft.

4 Dinge, die ich bisher gelernt habe:

  1. Introvertiert und zurückhaltend ist defintiv kein Indiz für ein langweiliges, gleichförmiges Leben. Da hat doch meine letzte, eher ruhige Mitfahrgelegenheit einfach die komplette Nordhalbkugel mit dem Fahrrad umrundet.
  2. Berufliche Kontakte, Freundschaften, sogar die Liebe des Lebens und alles dazwischen können gefunden werden. Alles schon erlebt bzw. von einer Hochzeitseinladung erfahren, die an alle Mitfahrenden ging, die sozusagen Zeugen des ersten Kennenlernens waren.
  3. Viel erlebt und gereist zu sein, macht aus dir nicht immer einen besseren Menschen, manchmal auch gleichgültiger und rücksichtsloser anderen gegenüber.
  4. Herkunft, Sprache und Religion stellen im alltäglichen Leben leider teilweise immer noch eine Barriere dar, um Kontakte zu knüpfen. Dem ausgesetzt merke ich beim Autofahren, die Notwendigkeit und Bereicherung des Austausches und die Unnötigkeit der Voreingenommenheit.

Top 2 der absurdesten Mitfahrer-Kombinationen

  1. Christlicher Freikirchler, der im „I love Jesus“ T-Shirt und der dazu passenden CD am Steuer und ein linker Atheist der hinten neben mir saß und keine Diskussion über das aufgeklärte Dasein gescheut hat.
  2. Zwei Italiener, einer am Karriere mit Autos machen, der andere, ehemaliger Call Boy und jetzt Filmproduzent. Zusätzlich eine zarte, spirituelle Aisatin auf dem Beifahrersitz, auf dem Weg zu einem „inneren Tanzworkshop“. Alle drei nicht ungewillt das Leben der anderen zu kommentieren und zu belehren. Diese Fahrt hatte eine Dauer von 9 Stunden.

Mitfahrer haben definitiv das Potenzial Freunde zu werden – aber eben echt nicht alle. So abstrus manche Kombination auch war, desto spannender und lehrreicher die Gespräche. Auf offener Straße wäre es wohl sehr unwahrscheinlich zu derartigen Treffen gekommen.

Top 3 der inspirierendsten Gesprächspartner

  1. Eine Frau, die für die deutsche Botschaft, schon seit 30 Jahren alle 4 Jahre an einem anderen Ort der Welt, mit ihrem (Haus)mann und Kindern, verbracht hat.
  2. Ein Mann in meinem Alter (20) der bereits selbstständig in der Produktion von Filmen arbeitet.
  3. Ein Mann, der in der Medizintechnik arbeitet und Mikrochips entwickelt, die auf der Netzhaut angebracht werden um erblindeten Menschen wieder mehr Sehvermögen zu geben.

Diese Menschen haben mir alternative Lebenskonzepte aufgezeigt oder widmen ihr Leben einer sehr spannenden Tätigkeit, was mich immer wieder mehr und vielfältigere Perspektiven auf mein eigenes Leben entwickeln lässt.

Die schlimmste Fahrt

Das war wohl eine nicht endende Fahrt schräg durch Bayern und Baden-Württemberg bei sommerlichen 35 Grad, ohne Klimaanlage, zu fünft im Auto incl. Kindersitz und Unmengen an Stau, sowie eine Mutter am Steuer, die einfach partout die fünf gleichen Sätze wiederholt hat.

Ein paar Jährchen werde ich wohl noch so von A nach B tingeln und weitere Gelegenheiten zum Geschichten sammeln wahrnehmen. Falls die Mitfahrgelegenheit einem von Euch bisher noch nicht als Alternative zu Bahn oder dem eigenem Auto erschienen ist, kann ich Euch diese Reisemöglichkeit nur empfehlen!

Sarah

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