MENUMENU

Findet mich das Glück?

von | Jan 3, 2018 | 2 Kommentare

Über wichtige und unwichtige Lebens.Fragen

Lebens.Fragen: Fragen, die man dem Leben, sich gegenseitig – oder sich selbst einmal stellen sollte.

Findet mich das Glück?

Zwischen Literatur, sozialer Stadtkunst und Philosophie

Wie die Lebens.Fragen mich gefunden haben:

Genau zehn Jahre ist es nun her: Mich begleitet das Büchlein „Findet mich das Glück?“  vom schweizer Künstlerduo Peter Fischli und David Weiss seit der Documenta 2007 in Kassel. Damals fand ich den kleinen Band in der Buchhandlung der Kunstveranstaltung. Das schwarze Buch besteht nur aus handgeschriebenen Fragekarten, vier je Doppelseite. Die Teils lustigen, Teils absurden, aber auch philosophischen Fragen machten mir und meinen Cousinen, mit denen ich das Kunstereignis besuchte, großen Spaß. In den nächsten Wochen und Monaten zitierten wir amüsiert immer wieder Fragen daraus:

„Ist alles was ich schon vergessen habe so groß wie ein Haus?“

„Ist Widerstand zwecklos?“

„Soll ich mir ein Süppchen kochen?“

Auch in den nächsten Jahren ließen mich die besonderen Fragen nicht los: Wenn einem eine Arbeit, ein Werk innerhalb von vielen Jahren wieder und wieder begegnet, hat diese eine Relevanz. Spielt eine Rolle im eigenen Leben.

Wem gehört die Stadt?

Während meines Kunststudiums stand der kleine Buchband von Fischli und Weiss bei mir eher im Regal und fand erst im Sommer 2011 wieder Beachtung, als ich beim großen Projekt KunstwerkStadt der Münchner PA/Spielkultur mitarbeitete. In verschiedenen Aktionen brachten wir die Innenstadt Münchens durch Kunstaktionen zum Leben. Interaktion, Irritation und Intervention lautete der Slogan. Die Projekte, die den Stadtraum künstlerisch beleben sollten, waren für jeden zugänglich und kostenlos sein. In der Projektvorbereitung entwarf ich, inspiriert von den Fragen aus „Findet mich das Glück“ viele bunte Fragekarten:

Karten

Die bunten Fragekarten: „War ich ein gutes Kind?“

„War ich ein gutes Kind?“

„Kann man alles falsch machen?“

… stand etwa darauf.

Aber auch Aufforderungen, wie:

„Verhalte dich so, als wäre alles nur ein Film.“

„Gib zehn fremden Menschen die Hand.“

Im Stadtraum verteilt, in Aktionen mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, an Häuserfassaden geklebt – die Fragen sollten Kommunikation und Austausch anregen. Auch wurden sie so Teil des Stadtraums und -bilds – und damit richtige Lebens.Fragen.

Zur besseren Sichtbarkeit vergrößerte ich in einer Aktion gemeinsam mit jugendlichen Projektteilnehmern die Fragen: Es wurden übergroße Comicblasen daraus. Aufgehangen im Stadtraum, etwa an Laternenpfählen sah jeder darunter vorübergehende wie ein großer Denker aus.

Soziale Kunst

Durch die Comicblasen wird jeder zum Denker

Lange dachte ich über die Jahre nicht mehr an die Lebens.Fragen, bis sie mich im Herbst 2017 wieder „einholten“ – und zwar ganz unerwartet in den Niederlanden:

Willst Du die Welt verändern?

Als ich letztes Jahr im November mit Freunden nach Amsterdam reiste, und wir an einem städtischen Gemeinschaftsgarten entlangschlenderten, fielen uns an den großen, aus Paletten gezimmerten Hochbeeten Fragen auf Niederländisch auf. Gemeinsam versuchten wir diese zu entziffern und zu übersetzen. Und was für eine Überraschung – die mit Reissnägeln „geschriebenen“ Buchstaben, ergaben Lebens.Fragen, ähnlich denen von Fischli und Weiss! Ich freute mich, diese „alten Freunde“ im Nachbarland wieder zu treffen. Die orignelle Umsetztung und Einbindung in den Stadtraum begeisterte mich zusätzlich: Eine tolle Möglichkeit um sich im Vorbeigehen inspirieren zu lassen.

Soziale Kunst

Hast Du eine spirituelle Mission?

Doch bei dieser einen Begegnung mit den Lebens.Fragen blieb es 2017 nicht.

Wie geht es Dir heute wirklich?

Es ist ein grauer, trister Tag, der Mittwoch nach Weihnachten und ich muss arbeiten – mitten in Velbert, einer mittelgroßen Stadt am Rand des Ruhrgebiets. Auf dem Heimweg leuchtet mir eine scheinbar neu gestaltete Bushaltestelle entgegen. Auf farbigen Wänden lese ich Fragen in bunten Kreisen:

Soziale Kunst

Bunte Fragen an der Bushaltestelle

„Willst Du Schokolade?“

„Warum ist das Universum unendlich?

„Wird die Welt in 100 Jahren noch existieren?“

Die Fragen sind teils lustig, teils ernst bis nachdenklich oder entwaffnend ehrlich formuliert. Auch sie sollen zum Austausch anregen, Begegnung mit Fremden beim gemeinsamen Warten anregen und erleichtern.

Bunte Fragen

Doch – ist diese Wandgestaltung wirklich neu, oder habe ich nur heute, mitten im Grau einen bunten Lichtblick gebraucht?

Sind auch Dir schon Lebens.Fragen begegnet?

 

Meike Schuster on FacebookMeike Schuster on Instagram
Meike Schuster
Lebens.Haus Team

Kunst und Kreativität, Kultur und Alltag. Auf der Suche. Katzenmensch, All-interessiert, Tagebuch-Schreiberin.

GRATIS E-Magazin mit Deiner Newsletter-Anmeldung!

Abonniere unseren monatlichen Newsletter hier - als Dankeschön gibt es das kostenlose Lebens.Haus Magazin! 86 Seiten vollgepackt mit spannenden Themen.

Vielen Dank - Du hast den Lebens.Haus Newsletter abonniert!