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Eine Hausbesetzung der besonderen Art – Gäste im Boxsack

von | Mai 21, 2018 | 0 Kommentare

Eine Hausbesetzung der besonderen Art

Der Boxsack im Garten

Wir haben seit einiger Zeit eine Besetzung bei uns daheim. Nein, keine Hausbesetzung, es ist eine Boxsackbesetzung.

Zwei Kohlmeisen haben sich dazu entschlossen unseren Boxsack, der auf der Terrasse hängt, für eigene Zwecke zu besetzen.

Seit dieser Zeit ist ein Zettel auf dem Boxsack angebracht, der vor der eigentlichen Benutzung warnt. Die Nestbesetzer könnten gestört werden.

Wenn ich darüber nachdenke, dann ist das schon ein genialer Brutplatz für unsere Mitbewohner auf Zeit. Katzen haben keine Chance, das Wetter kann dem Nest nichts anhaben, es hängt ja unter unserem Terrassendach. Krähen, Elstern, Falken, alle keine Chance, hier passt nur rein, was rein gehört.

Das Nest im Boxsack

Und dann war es so weit, im April entdeckte meine Frau die ersten beiden Eier im Nest im Boxsack. Das Gelege muss bis auf acht Eier angewachsen sein, denn wenn wir heute vorsichtig in den kleinen Spalt hineinschauen, dann leuchten uns da acht Schnäbel, weit aufgerissen, entgegen.

Bis zum Schlüpfen war es dann doch einiges an Arbeit, was unser Kohlmeisenpaar intensiv gefordert hat.

Wir überlegen, ob es die selben Boxsackbesetzer wie letztes Jahr gewesen sind. Kohlmeisen können schon mal fünf Jahre alt werden und da ist es durchaus möglich, dass sich unser Paar an die Behausung erinnert hat.

Der Bettelruf der Jungmeisen

Nach der 14 tägigen Brutzeit beginnt ein weit stärkeres Getriebe. Die Nestlinge sind geschlüpft und wollen versorgt werden. Eine Besonderheit zu dem bisher stillen Vorgang kommt jetzt hinzu. Wenn wir zum Abendbrot auf der Terrasse sitzen und es fängt ein lautstarkes Zwitscherkonzert an, wissen wir, Mamameise oder Papameise sind eben wieder eingetroffen mit einem Wurm, einer Larve oder einer Sämerei. Da heißt es jetzt: Schnabel auf und betteln.

Mehlwürmer auf der Speisekarte

Es sind ja nur 20 Tage, die die Nestlinge so in der Sicherheit des Nestes verbringen. In dieser Zeit gilt es, stark zu werden für den ersten Flug. Noch ist es nicht so weit bei unseren Boxsackuntermietern. Aber wir wollen alle Unterstützung zu teil werden lassen. Auf dem Einkaufszettel letzte Woche fand ich deshalb auch eine etwas ungewöhnliche Einkaufsposition: Mehlwürmer sollte ich mitbringen. Meine Tochter hatte es sich zur Aufgabe gemacht, dem Meisenpärchen ein klein wenig Flugzeit einzusparen und so steht zu bestimmten Zeiten ein Futterangebot ganz in der Nähe der Flugroute unserer Vogeleltern. Das Nahrungsangebot wird dann auch eifrig angenommen.

Unsere Nestbesetzer sind ein kleines Geschenk

Wenn es auch nur für eine kurze Zeit ist, so freuen wir uns über diese kleinen Federbällchen, die sich so nahe an unseren Alltag heran wagen. Das Gezwitscher der Jungen, der emsige Flug dieser Vögel, all das geschieht in so vielfältiger Weise jeden Tag auf diesem Planeten. Es ist ein winziger Ausschnitt Leben, an dem wir teilhaben. Ein Ausschnitt, der uns abholt vom Getriebe unserer Welt hinein in ein kurzes Innehalten, zuhören, wie es piept und ruft, Abflug und Ankunft, Zusammenspiel des Vogelpaares, hineingenommen sein in den Kreislauf des Lebens.

Bald ist es so weit, unsere jungen Gäste werden das Nest verlassen und ihre ersten Flugversuche unternehmen und nicht mehr auf den sicheren Platz angewiesen sein, den wir ihnen geben konnten.

Mir kommt ein Vers aus dem Matthäusevangelium in den Sinn:

Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.

Ich kann leise „Danke“ sagen und dieses Bild mitnehmen von den Vögeln und dass es etwas gibt, was uns meint, unseren Platz, unser Nest, unser Sein.

Ich wünsche uns viele Beobachtungen zum Leben jetzt im Frühling. Und ein paar Stimmen in unserer Nähe, die uns daran erinnern Danke zu sagen.

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Stefan Schuster
Lebens.Haus Team

Tatmensch, Visionär, Lebens-Architekt und Gestalter seiner Träume. Meditation, Spiritualität, Fotografie. Berührt von der Schönheit des Wahrnehmbaren und getroffen von dem, was Alles trägt.

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